Reichhart-Logistik kann sich Krise entziehen

Gilchinger Transportunternehmen hält Umsatz/Beteiligung an Mitbewerber/Auftrag von Mercedes
Das Gilchinger Logistik-Unternehmen Reichhart, das vor allem für die Automobilindustrie tätig ist, hat die Wirtschaftskrise besser überstanden als andere Firmen aus der Transportbranche. So hielten die Gilchinger nicht nur den Auftrag von Mercedes für das neue E-Klasse Cabrio, sondern übernahmen auch dieTransportfirma Lobeko GmbH. Man werde heuer wieder den Rekordumsatz des vergangenen Jahres von 47,5 Millionen Euro erreichen, sagte Geschäftsführer Michael Jackl zur SZ.
Während die Transportbranche unter Auftragsmangel leidet und Einbußen von bis zu 50 Prozent hinnehmen muss, hat sich Reichhart dank seiner schon in den vergangenen Jahren verfolgten Firmenstrategie der Krise entziehen können. Vor allem der Bereich Kontraktlogistik habe den Rückgang im Segment Transporte auffangen können, erläutert Jackl. Bei Kontraktlogistik übernimmt Reichhart bestimmte Produktionsabläufe und gestaltet sie effizienter. Kunden sind unter anderem BMW, Eberspächer und Mercedes-Benz. In Österreich ist Reichhart für den kleinen BMW-Geländewagen X3 und für das Saab Cabrio zuständig, dessen Produktion aber ausgelaufen ist. Neu ist eine Niederlassung in Bremen. Dort wird künftig das neue E-Klasse Cabrio von Mercedes unter Mithilfe von Reichhart produziert. "Wir können behaupten, dass wir den Optimierungsprozess bei den Abläufen beherrschen", sagt Jackl. Was heißen soll: Reichhart schafft es, unter geringerem Zeitaufwand und weniger Personal die gleiche Leistung herzustellen. Angesichts des Wettbewerbs in der Automobilindustrie ein wichtiger Faktor. "Die Konzerne wollen uns, weil wir günstiger sind", lautet eine einfache Erklärung.
Ensprechend blieb die Auftragslage gut. In diesem Halbjahr konnten die Gilchinger sogar ein Plus von sechs Prozent erzielen, was den Auftrags-Rückgang bei den Transporten auffing. "Wir haben im ersten Halbjahr einen Umsatz von 23,2 Millionen Euro erzielt", so der Geschäftsführer. Alles deute darauf hin, dass Ende des Jahres die Zahlen von 2008 erreicht werden - das war Rekord.
Durch die gute wirtschaftliche Lage beteiligte sich Reichhart mehrheitlich an der Gilchinger Transportfirma Lobeko. In den dortigen Flottenbestand wurden die Reichhart-Laster integriert. Mit Lobeko will man die Logistik bei den Transporten noch besser optimieren. In diesem Fall heißt dies: Es soll noch weniger Leerfahrten geben.
Die Zahl der Mitarbeiter blieb in Deutschland gleich. Kurzarbeit mussten die Gilchinger auch nicht anmelden. "Wir konnten Auftragsrückgänge durch geschickte Gleitzeitmodelle bei der Belegschaft auffangen", sagte Jackl. Nur in Österreich, am Standort Graz, habe es Entlassungen gegeben. Rund 800 Mitarbeiter hat die Logistik-Gruppe immer noch.
Für das Jahr 2010 gibt man sich optimistisch. Jackl hat festgestellt, dass die Autoproduktion wieder anzieht - "durch die Bank" bis zu 20 Prozent. Dies habe nichts mit der Abwrackprämie zu tun, da es sich um Modelle handelt, die höher preisig seien und zur Mittelklasse gehörten. Einen Unterschied zu den Zeiten vor der Krise gibt es dennoch. Wie Jackl beobachtet hat, gehe der Trend vom Sechs- zum Vierzylinder, "Wer früher einen Fünfer-BMW gefahren habe, der steigt jetzt auf einen kleineren Dreier um, allerdings mit toller Ausstattung."
2010 will die Reichhart Logistik-Gruppe den Umsatz nicht nur halten, sondern wieder kräftig steigern.
SZ (09.2009)




